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„Die alte Drehleiter ist unser Heiligtum“

Feuerwehr will für den Erhalt des 45 Jahre alten Fahrzeugs einen Förderverein gründen − Voll einsatzbereit

Im besten Zustand ist die 45 Jahre alte Drehleiter mit dem Kennzeichen VOF - E 8 und dem Siegel vom „Landratsamt Vilshofen“. Edi Fischer und der Graf Xav‘ wollen, dass es weiterhin so bleibt und haben eine Lösung dafür gefunden.

 

Von Helmuth Rücker
Vilshofen. Das dünne Lenkrad liegt nicht gut in der Hand. Der 110 PS starke Acht-Zylinder- Motor frisst 25 Liter auf hundert Kilometern. Die Drehleiter muss mit der Hand in die Höhe gekurbelt werden. Dieses Feuerwehr- Fahrzeug hat sich komplett überholt. Doch ans Wegwerfen denkt niemand − im Gegenteil. „Die alte Drehleiter ist unser Heiligtum“, sagt der Graf Xav‘, die Feuerwehr-Institution von Vilshofen, entschieden. Die Feuerwehr will das Fahrzeug halten und bewahren. Dafür soll am kommenden Freitag eigens ein Förderverein gegründet werden.

Bei diesem Fahrzeug vibriert nicht nur das Lenkrad, mit ihm schwingen viele Emotionen mit. Die gerettete Katze, der abgebrochene Ast und der gelöschte Bauernhof. „Hundert Mal mindestens habe ich die Leiter hochund wieder runtergekurbelt“, erinnert sich der Graf Xav‘. Die schönste Geschichte hat er vom ersten Tag. „Am 6. September 1967 haben wir die Leiter zu dritt aus dem Werk in Ulm geholt. Als ich beim Auftanken war, geht die Sirene. In Thannet beim Plattner brennen Scheune und Rinderstallung. Noch gar nicht richtig daheim, hatten wir schon den ersten Einsatz.“

45 Jahre alt ist die DL 18 (Drehleiter 18,3 Meter lang). Heute steht eine moderne 30 Meter lange Drehleiter mit allen elektronischen und hydraulischen Raffinessen im Feuerwehrhaus. Was aber bis zuletzt nicht hieß, dass die DL 18 vor sich hinrostete. „Zuletzt hatten wir sie beim Brand im Januar in Kalkberg bei Jägerwirth im Einsatz. Die große Drehleiter passte nicht durch das Scheunentor, um in den Hof zu kommen“, erzählt Edi Fischer.

Doch jetzt soll sie aus dem aktiven Dienst genommen werden. Die Feuerwehr möchte den alten Opel Blitz aber als eine Art Denkmal bewahren. „Die Drehleiter bleibt im Besitz der Stadt, aber wir kümmern uns um Unterhalt, Pflege und den Unterstellplatz.“ Dafür soll eigens ein Förderverein namens „Florian Vilshofen an der Donau e.V.“ gegründet werden. Er ist für das Fahrzeug verantwortlich. Unter anderem ist vorgesehen, es bei Festzügen − ob Feuerwehr-Jubiläum, Volksfest oder Oldtimer- Fahrt − einzusetzen. „Bewegungsfahrten sind sehr wichtig“, sagt der ehemalige Gerätewart Graf Xav‘ und schaut gleich nach, wie viele Kilometer mit dem Fahrzeug in 45 Jahren zurückgelegt wurden. 26 100 Kilometer.

20 bis 50 Mitglieder sind das Ziel. Sie müssen nicht der Feuerwehr angehören. 20 Euro hat man sich als Jahresmindestbeitrag gedacht, das lässt sich bis auf 100 Euro steigern, ist aus dem Beitrittsformular ersichtlich. Allein 720 Euro Miete fallen jährlich für die Garage am Marbacher Weg an. Gegründet werden soll der Verein am Freitag, 6. Juli,um19 Uhr in den Bürgerstuben. Edi Fischer hat sich bereit erklärt, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen − „vorausgesetzt, ich werde gewählt“, schränkt er gleich ein.

An den Förderverein übergeben wird das Fahrzeug in einem tadellosen Zustand: TÜV bis 2014, jährlicher Kundendienst von Magirus und kein Rost. Wie denn auch: Heiligtümer setzen keinen Rost an.

 

Allein lässt sich die 18,3 Meter lange Leiter nicht in die Höhe kurbeln. Hier tun dies Edi Fischer (links) und der Graf Xav‘ gemeinsam. „Alles mechanisch. Da fällt nichts aus“, meinen sie.

 

Das Armaturenbrett des Opel Blitz aus dem Jahr 1967 mit einem 110 PS starken Motor, wie er in den Opel Kapitän eingebaut worden war

 

Um das Fahrzeug beim Ausfahren der Leiter zu stabilisieren, muss ebenfalls gekurbelt werden

 

Vilshofener Anzeiger vom 03.07.2012